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Die ersten 100 Tage als Führungskraft im Gesundheitswesen: Worauf es wirklich ankommt

Die ersten 100 Tage in deiner neuen Führungsrolle sind immer entscheidend, im Gesundheitswesen stehen sie aber unter besonderer Beobachtung: hohe Arbeitsdichte, Personalmangel, komplexe Schnittstellen und ein Team, das oft seit Jahren „im System“ arbeitet. Du prägst in dieser frühen Phase, ob man dir vertraut ist, wie gut die Zusammenarbeit läuft und ob ihr fachlich stark und gleichzeitig menschlich gut aufgestellt seid.


Ankommen statt gleich alles umkrempeln

Viele neue Führungskräfte starten mit dem Anspruch, schnell „sichtbar“ zu sein. Im Krankenhaus, Pflegeheim, in einer Klinik oder sozialen Einrichtung kann das schnell nach hinten losgehen, weil Teams sehr sensibel auf Veränderungen reagieren.

  • Dein erster Auftrag ist: verstehen, nicht sofort verändern. Station, Bereich, Dienstpläne, Übergaben, Dokumentation, interprofessionelle Zusammenarbeit, all das hat eine Geschichte.
  • Pflegefachpersonen, Therapeut:innen, Ärzte:innen oder Sozialarbeiter:innen merken sich sehr genau, ob du ihre Fachlichkeit und ihren Alltag ernst nimmst oder nur deine Ideen durchdrücken willst.

Nimm dir in den ersten Wochen bewusst die Zeit, in Diensten, Besuchen, Fallbesprechungen oder Teamsitzungen eher zu beobachtend und stelle viele Fragen, bevor du Änderungen ankündigst.


Dein Rollenwechsel: Von der Kollegin zur Leitung

Besonders heikel wird es, wenn du aus dem Team heraus befördert wurdest, zum Beispiel von der langjährigen Pflegefachkraft zur Stationsleitung oder von der Bezugsperson zur Teamleitung im Wohnbereich.

  • Nähe und Distanz verändern sich: Gestern Pausenraum auf Augenhöhe, heute bist du verantwortlich für Dienstpläne, Urlaube und auch kritische Gespräche.
  • Du spürst Loyalität zum Team, sollst aber gleichzeitig die Erwartungen von Geschäftsführung, Pflegedienstleitung oder Träger vertreten.

Hilfreich ist, wenn du das offen ansprichst: Dass sich deine Rolle verändert, dass das für euch alle ungewohnt sein kann und dass ihr bereit seid, gemeinsam mit dem Team zu klären, wie ihr damit umgehen wollt. Dazu gehört auch, Grenzen neu zu definieren, zum Beispiel, was noch „privates Teilen“ ist und wo Führungsverantwortung beginnt.


Deine drei wichtigsten Gesprächsformate

Im Gesundheitswesen ist wenig Zeit, aber ohne Gespräche geht Führung nicht. Es braucht nicht mehr Meetings, sondern passende Formate.

  1. Gespräch mit deiner eigenen Führung
  • Kläre, woran man dich in 6–12 Monaten misst: Fluktuation, Krankenstand, Qualität, Patienten:innen- oder Bewohner:innenzufriedenheit, wirtschaftliche Kennzahlen.
  • Frag nach Prioritäten: Welche Themen haben Vorrang: Struktur, Prozesse, Teamkultur, Zusammenarbeit mit anderen Bereichen?
  1. Teamrunde zu deinem Start
  • Stell dich in deiner Rolle vor: Wer bist du, was ist dir wichtig (z.B. Verlässlichkeit, offene Kommunikation, Fehlerkultur, Patientensicherheit)?
  • Sag klar, was gleich bleibt und was sich verändern wird, zum Beispiel bei Kommunikationswegen, Übergaben oder Besprechungsformaten.
  • Frag dein Team: „Was braucht ihr von mir als Leitung, um euren Job gut machen zu können?“ und nimm die Antworten ernst.
  1. Regelmäßige 1:1‑Gespräche
  • Plane kurze Gespräche mit allen Schlüsselpersonen: Pflege, Therapie, Verwaltung, ggf. Ärzt:innen, je nach Setting.
  • Frag nach: Wie geht es dir gerade? Was funktioniert gut, was bremst dich? Wo sehen Sie Risiken für Qualität, Sicherheit oder Teamklima?

Diese drei Formate geben Ihnen einen klaren Rahmen, um Beziehungen aufzubauen, ohne Sie in endlosen Besprechungen zu verlieren.


Kleine Routinen, große Wirkung

Du musst in den ersten 100 Tagen kein riesiges Veränderungsprogramm aufziehen. Wirksamer sind kleine, stabile Routinen, die euch Orientierung geben.

  • Eine kurze, feste Lagebesprechung: zum Beispiel 10 Minuten morgens im Dienst, was war gestern und was heute wichtig ist, besondere Situationen, Engpässe.
  • Transparente Prioritäten: sichtbar machen, was diese Woche wirklich zählt, statt alles gleichzeitig anzuschieben.
  • Klar definierte Übergaben: Wer informiert wen, worüber und mit welchem ​​Ziel, insbesondere an den Schnittstellen (z.B. Pflege – Ärzte – Therapie – Sozialdienst).

Gerade weil du im Gesundheitswesen ständig unter Druck bist, helfen klare Routinen dabei, Sicherheit zu vermitteln, ohne zusätzlichen Verwaltungsaufwand zu produzieren.


Typische Fallen – und wie du sie vermeidest

Einige Fehler tauchen in fast jedem Setting wieder auf, ob Klinik, Pflege, ambulante Dienste oder soziale Einrichtung:

  • Du willst zu viel auf einmal ändern. Das überfordert sowohl dich als auch dein Team. Besser: Ein Thema nach dem anderen, sichtbar und nachvollziehbar.
  • Du hoffst, dass Konflikte „von allein verschwinden“. Spannungen im Team oder mit anderen Berufen werden in der Regel größer, wenn du sie ignorierst.
  • Du gehst komplett im Operativen auf. Wenn du nur „mitarbeitest“, bleibt keine Zeit mehr für Führung: keine Gespräche, keine Prioritäten, keine Entwicklung.

Plane dir von Anfang an Zeiten ein, in denen du bewusst an der Organisation arbeitest, nicht nur im Tagesgeschäft. Das fühlt sich am Anfang vielleicht ungewohnt an, ist aber zentral für deine Rolle als Führungskraft.


Warum du dir Unterstützung gönnen darfst

Viele Einrichtungen im Gesundheitswesen bieten neuen Führungskräften kaum strukturiertes Onboarding. Oft heißt es: „Du schaffst das schon, sonst wärst du nicht Leitung geworden.“ Gleichzeitig spürst du von Tag eins an Erwartungen von oben, vom Team und von dir selbst.

Eine externe Begleitung kann genau in diesen ersten 100 Tagen den Unterschied machen:

  • Du erhältst einen geschützten Raum, in dem du Situationen sortierst, Entscheidungen vorbereitest und heikle Gespräche reflektierst.
  • Du gewinnst Klarheit, welche Baustellen zuerst dran sind und was bewusst warten darf, ohne dass „alles brennt“.
  • Sie erhalten konkrete, alltagstaugliche Werkzeuge für Ihr Setting – egal ob Krankenhaus, Pflege, Klinik, ambulante Dienste oder andere Bereiche.

Die ersten 100 Tage laufen sowieso. Die Frage ist, ob du sie nur „überstehst“ oder bewusst nutzt, um Vertrauen, Stabilität und gute Versorgung von Anfang an mitzugestalten.

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  • Deine größten Herausforderungen in dieser Phase
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